Startseite // Johanna Meyer – auf den Philippinen

Bin ich jetzt angekommen?
Ich lebe jetzt seit fast einem Jahr hier auf den Philippinen und viele meiner deutschen Freunde haben mich gefragt, ob ich denn
jetzt wirklich angekommen bin und mich komplett eingelebt und mich an alles gewöhnt habe. Nun ich habe schon viel über die
Kultur und das Leben hier gelernt, aber ich würde noch nicht sagen, dass ich komplett angekommen bin und alles verstehe. Ich
tauche immer tiefer ein und komme dem Verständnis der Kultur immer näher und näher, doch viele Sachen sind immer noch neu
und unverständlich.
Meine deutsche Wurzeln werden teilweise immer noch sehr deutlich, welches positiv, aber in manchmal Aspekten auch eher
negativ sein kann.
Momentan habe ich eher gemischte Gefühle und bin etwas hin und her gerissen, denn einerseits gefällt es mir hier so gut und fühle
mich so wohl, denn vor allem bei meiner Arbeit im LCP (Little Children of the Philippines) bin ich ein wichtiger Teil geworden und
darüber bin ich über glücklich. Bei meiner Arbeit bin ich auf jeden Fall angekommen, denn ich kenne mich aus und habe genaue
Aufgaben.
Ich fühle mich hier einfach super wohl und habe im letzten halben Jahr so viel gelernt und mitgeholfen. Ich bin sehr glücklich in
meinem Projekt.
Doch andererseits freue ich mich auch auf mein Zuhause in Deutschland und auf mein weiteren Weg, mein Studium.
Ich denke, dass der Start Zuhause nicht ganz einfach wird, denn es wird bestimmt eine ziemliche Umstellung und ich werde mich
an einiges wieder gewöhnen müssen.
Doch ich bin sehr gespannt auf diese Zeit. Ich denke ich werde manche Sachen ganz anders wahrnehmen als vorher und vieles
mehr wertschätzen, denn die Zeit hier bisher hat mir gezeigt wie glücklich wir uns eigentlich schätzen können, so in Deutschland
zu leben.
Generell ist es einfach unglaublich was für Eindrücke man hier bekommt.
So viel Armut, Leid, Hilflosigkeit und Schmutz!
Es ist aber auch beeindruckend wie die Menschen damit umgehen. Für die Leute hier ist es Normalität und trotz ihrem
Lebensstandards, der meist stark von Armut beeinflusst ist, sind sie voller Freude und Dankbarkeit.
Dankbar, das sollten wir eigentlich viel mehr sein, denn ich glaube wir schätzen gar nicht mehr was wir alles haben und wie gut es
uns geht.
Ich bin so dankbar dafür, dass ich die Chance habe hier zu sein und alles hautnah mitzuerleben.
Es ist teilweise schon ein großer Brocken und eine Last, die manchmal schwer zu verarbeiten ist und dazu führt, dass man sich
schnell schuldig und schlecht fühlt.
Doch das hilft den Menschen auch nicht, somit muss man lernen damit umzugehen und das braucht manchmal einfach Zeit. Ich
bin hier, um diese Erfahrungen zu machen und sie dann weiter zu geben – „Brücken bauen“.
Derzeit läuft es aber super bei der Arbeit.
Nach kleinen Startschwierigkeiten, da nun die Sommerferien angefangen hatten und wir nicht genau wussten was jetzt unsere
Aufgabe sein wird, da auch die Straßenkinder Ferien hatten, hat sich dann aber doch etwas ergeben.
Wir haben einen Lehrplan entworfen.
Da der Wissensunterschied der Kinder sehr unterschiedlich ist. Die einen können wenn überhaupt ihren Namen schreiben und die
anderen sind überfordert einen einfachen Text zu schreiben. Aber auch wenn daraus folgt, dass es im großen und ganzen mit dem
Unterricht eher langsam voran geht heißt das nicht, dass man nichts erreichen kann,
man fokussiert sich eher auf die kleinen Erfolge.
Doch um einfach mehr Struktur in die SoW (Straßenkinder „School on Wheels“) zu bringen haben wir überlegt ein Art Arbeitsheft
für die Kinder zu erstellen, sodass die Kinder dadurch mehr lernen und den Freiwilligen etwas an Arbeit erleichtert. Somit ist für
jede Stunde etwas geplant und man muss sich nicht 5 Minuten vor Unterricht schnell etwas überlegen.
Wir hoffen, dass es produktiver und effektiver wird.
Am Ende war es aber doch mehr Arbeit als gedacht, aber jetzt haben wir ein richtiges Arbeitsheft erstellt. Wir haben also für jede
Unterrichtsstunde ein Thema und dazu passende Arbeitsblätter rausgesucht und gebündelt.
Ich bin so gespannt und freue mich schon das Buch zu benutzen und damit arbeiten zu können.
Die Sprache macht mir immer noch ein wenig zu schaffen auch wenn ich merke, dass es mir generell immer leichter fällt
Philippinos zu verstehen und zum Teil auch in (grammatikalisch wahrscheinlich miserablem) Bisaya zu antworten. Trotzdem bin
ich, was die Sprache angeht noch nicht ganz dort wo ich mal sein will. Ich warte jetzt schon auf den Tag an dem ich eine normale
Konversation mit den Straßenkinder führen kann ohne mindestens einmal hilfesuchend zu einem anderen Mitarbeiter zu schielen.
Aber ich bin zuversichtlich. Jetzt ist meine Zeit bald vorbei und meine Vorsätze sind noch die restliche Zeit in vollen Zügen zu
genießen und vielleicht noch ein bisschen zu Reisen, um die Philippinen noch mehr zu erkunden und kennen zulernen!
Tan-awa kamong tanan sa dili madugay ug godbless kanamo / Bis bald und Gott segne uns
Johanna Meier